Das letzte Gericht

Auch wenn die bewusste Erinnerung an unser Leben äußerst lückenhaft ist, wird doch jedes Ereignis in unserem sichtbaren Leben unsichtbar und vorübergehend (halbdauerhaft) gespeichert. Diese laufende Aufzeichnung findet automatisch immer auf einer sehr feinen Frequenz statt, die durch unsere Erinnerung unregelmäßig abgetastet und angesprochen werden kann.

Es ist ziemlich gut nachgewiesen, dass wir während des Sterbeprozesses von unserer Überzeugung befreit werden, bloß auf unseren sichtbaren Körper begrenzt zu sein. Diese Befreiung geschieht von selbst und ist ein ekstatisches Erlebnis. Sie führt dazu, dass wir jedes Ereignis, an dem wir jemals beteiligt waren, nicht nur aus unserem persönlichen Blickwinkel noch einmal erleben – sondern auch so wie alle anderen, die dabei waren. Unter diesen Umständen werden wir nicht umhinkommen, viele oder gar alle Ereignisse unseres Lebens zu überprüfen und neu zu bewerten. Zweifellos werden wir mit mehr oder weniger großer Bestürzung auch Aspekte erkennen, die wir vorher ausgeblendet haben. Dieser Lebensrückblick vollzieht sich automatisch. Ohne unser Zutun und sowohl ohne unsere Kontrolle wie auch ohne die Kontrolle irgendeines absoluten Wesens.

In der „Leere“ und im „Übergang“ unseres Todesprozesses findet dieser „Ver- oder Beurteilungs-Mechanismus“ also autonom, automatisch und gänzlich unpersönlich statt. Die Rückschau bezieht alle Ereignisse unseres Lebens ein, ob wir sie bereits „vergessen“ oder noch in unserer bewussten Erinnerung haben. Alles, was „gut“ ausgegangen ist und stattgefunden hat, ohne dass wir unnötiges Leiden verursacht haben, erzeugt ein angenehmes, beruhigendes psychologisches Feuer. „Negative“ Ereignisse oder Situationen, in denen wir die Ursache von unnötigem Leiden waren, rufen hingegen ein unangenehmes Kälteempfinden hervor.

      
 „Geschätzte Freunde, nun stehen wir barfuß an der Pforte zu Himmel und Hölle!“